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Die Tochter hat natürlich so einiges an Spielzeug. Aus Gründen verzichten wir auf Nervspielzeug.

Aber Duplo-Steine. So viel Duplo-Steine. Sie könnte damit ein Space Shuttle nachbauen. In Originalgröße. Nur bunter. Und mit süßen Duplo-Augen-Steinen im Bauch des Raumschiffes.

Oder Holz-Bauklötze. Paläste ließen sich damit errichten.

Oder ihre Kugelbahn mit der sie locker Schleswig-Holstein mit Rheinland-Pfalz verbinden kann.

Und ihre Steinsammlung. Die hat sie sich selbst zugelegt. Wenn wir spazieren gehen, müssen wir aus jedem Vorgarten den wir passieren mindestens einen Stein mitnehmen. Ich warte noch auf den Tag, an dem uns die gesamte Nachbarschaft die Rechnung für all die Steine präsentiert. Und uns damit in die Privatinsolvenz treibt.

Aber ihre Steinsammlung braucht sie. Und sie spielt auch damit. Stund um Stund bringt sie mit den Steinen zu. Sie trägt sie liebevoll. Sie fährt Steine in ihrem Puppenwagen spazieren. Oder ›zum Aldi‹ einkaufen. Mit ihrem Bobby-Car. Der Aldi, das ist unser Bad – fragt nicht. Sie liest ihnen aus Büchern vor – keine Pointe. Oder sie legt ihre Puppe schlafen. Natürlich mit einem Stein als Kuscheltier.

Auf dem Spielplatz rutscht erst sie dreimal die Rutsche herunter. Dann sucht sie sich Steine. Und lässt diese rutschen. Sie lacht dieses glockenklare Kinderlachen, wenn einer der neuen Steine die Rutsche hinunter kullert. Natürlich müssen am Ende des Tages ihre neuen ›Freunde‹ mit nach Hause kommen. Diskussion zwecklos. Manchmal lässt sich durch gutes Zureden die Anzahl der Steine von zehn auf vier reduzieren.

Dann legt sie die, die nicht mitkommen zurück und verabschiedet sich liebevoll. Sie winkt ihnen und sagt »Tschüss Steine. Schlaft gut.«. Und dann fühle ich mich wie ein herzloser Mensch, der ihren neuen Freunden kein Zuhause gibt. Und sie im Dunkel der Nacht auf dem Spielplatz frieren lässt.

Weiß jemand, ob man einen Anbau für die Steinsammlung der Tochter über Crowd-Funding finanziert bekommt?

Update: Welch grandioser Zufall. Die liebe Andrea von Runzelfüßchen-Blog hat eine dm-Kolumne zum selben Thema veröffentlicht.

  • 😀
    Hallo Alex!
    Diese Sammelleidenschaft hast Du seeeeehr schön beschrieben.
    Alles ist verzaubert, tote Materie gibt es nicht, die ganze Welt ist magisch.
    Bei uns sind es keine Steine, sondern Stöcke.
    Das Kind erinnert sich an jeden einzelnen Fundort.
    Wenn wir das Leben in der Stadt mal leid sind, bauen wir uns irgendwo
    in idyllischer, ländlicher Gegend, eine Hütte draus.
    Solange müssen wir sie wohl oder übel behalten.
    🙂
    Liebe Grüße,
    Mari

    • Lustig. Was die Kinder so alles faszinierend finden. Aber schön finde ich auch, dass sie meinen Blick auch auf Steine lenkt. Oft, wenn ich ohne Tochter unterwegs bin, ertappe ich mich dabei, wie ich Steine taxiere und nach „könnte ihr gefallen“ einordne. ☺

  • Danke dafür! Ich habe mehrfach gut gelacht 🙂

    • Gibt es ein schöneres Lob? ☺ Danke & das freut mich sehr.

  • Hallo Alex,

    ich habe gerade deinen Blog entdeckt und lustigerweise diesen Post zuerst gelesen.
    Lustig deshalb, weil Sohn exakt die selbe Leidenschaft an den Tag legt, wenn es um Steine und Stöcke (und im Herbst auch um Kastanien) geht. Er kennt auch alle Steinsammelhotspots der Stadt. Da ich aber keine Lust auf ein Kieswerk im Kinderzimmer habe, gilt bei uns die Regel, dass Steine vor der Tür abgelegt werden und wieder mitgenommen werden dürfen, wenn wir wieder rausgehen, sofern sie dann noch da sind (höhöhö).
    Zeitweise sieht es dann vor unserer Tür aus wie auf einem jüdischen Friedhof.

    Das eigentlich „schlimme“ an Sohnis Sammelleidenschaft ist, dass er Tochter damit angesteckt hat, somit verdoppelt sich die Zahl der Steine vor unserer Tür. Aber wenigstens haben die Kinder gemeinsame Interessen… 😀

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