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Vor der Geburt unseres Engels hatte ich viel Zeit. Zeit für uns. Zeit für mich. Genug Raum für meine Hobbies. Und Hobbies hatte ich einige. Fotografieren zum Beispiel. Und die guten Bilder auch zu bearbeiten. Und Zeit das Equipment auf- und wieder abzubauen. Für Microstock-Agenturen zu fotografieren um damit mein Hobby und bisschen mehr zu finanzieren.

Heute, 2 ½ Jahre nach der Geburt der süßen Maus, weiß ich nicht genau, wann ich das letzte Mal ein Foto in Photoshop geöffnet hab. Und die Blitze versauern seit dem Umzug im Keller. Na klar fotografiere ich noch. Vor allem das Töchterchen. Aber in Lightroom importiert werden die Fotos, wenn die Flash-Karte voll ist. Dann nehme ich mir am Abend kurz Zeit die Bilder grob zu sortieren. Die guten werden ins Lychee hochgeladen. Summa-summarum 90 Minuten aufwand. Alle drei, vier Monate mal.

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Meine Tage sind kurz. Vollzeit arbeiten. Nach Feierabend möchte ich Zeit mit meiner Maus verbringen. Da bleiben vielleicht noch 10 Minuten für das Abendessen. Da ich meist erst heim komme, nachdem meine Frau und der Frosch schon zu Abend gegessen haben, verschiebe ich mein Abendessen auch oft genug auf später – wenn sie schläft. Das soll nicht auch noch von ihrer Papa-Zeit abgehen.

Sie möchte, dass ich sie schlafen lege – was ich auch wirklich gern mache und die Kuschel- und Einschlafzeit sehr genieße. Aber Zeit zum Durchatmen hab ich so oft erst um 22 Uhr oder noch später.

Und bei der Frau siehts ja nicht anders aus. Während ich der Kleinen meine volle Aufmerksamkeit widme kümmert sie sich – Achtung! Klischee! – um den Haushalt, die Wäsche oder verbringt etwas Zeit im Garten. Um halb Elf sitzen wir auf der Couch und dösen vor uns hin.

An den Wochenenden will ich Zeit für den Frosch und meine Frau haben. Freundschaften wollen gepflegt werden. Oder im Garten muss was gemacht werden. Oder wir müssen uns dringend um etwas am Haus kümmern was schon seit Monaten oder länger auf unserer Liste steht.

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Oft genug fehlt uns die Zeit für uns. Gemeinsame Zeit. Zeit für uns alleine.

Anfänglich fragte ich mich wirklich, wie Eltern von zwei oder mehr Kinder das alles schaffen, was uns schon mit einem Kind zu schaffen macht. Die scheinen soviel mehr gebacken zu bekommen. Die Frage stelle ich mir aber nicht mehr. Denn – so denke ich – sie bekommen nicht mehr, sondern nur anderes gebacken. Sie sind anders organisiert. Gedrungener Maßen. Sie legen andere Schwerpunkte. Das ergibt sich einfach aus der individuellen Gesamtsituation heraus. Und vermutlich sehen wir nur, was die anderen gut machen. Das was hinten herunter fällt, weil die Zeit fehlt, sehen wir nicht.

Entweder weil wir es nicht sehen wollen. Oder weil man es uns bewusst vorenthält.

Und unser aller Tag hat nur 24 Stunden. Und wenn andere Eltern an einer Stelle Zeit aufwenden, dann fehlt diese Zeit woanders. Diese Einsicht hilft mir dabei, auch mal fünfe grade sein zu lassen. Dann wird die Steuererklärung eben erst im September nach der ersten Mahnung gemacht. So what?!

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Ich finde wichtig ist, dass wir uns ab und an Zeit gönnen, auch mal was für uns selbst zu machen. Meine Frau geht gern mal mit Freundinnen aus. Oder – Achtung! Noch’n Klischee! – Shoppen. Und ich gönne ihr das. Ich treff mich auch mal mit Freunden auf’n Bier oder zwei. Das gönnt sie mir. Und das ist auch wichtig. Damit wir uns als mehr als nur Vater, Mutter, Eltern fühlen. Sondern als eigenständiger Mensch. Mit eigenen Interessen. Wir brauchen die Zeit für uns.

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Wenn ich mal wieder denke »boah, ich hätte so gern mal wieder Zeit für …«, dann sage ich mir, das diese auch wieder kommen wird. Wenn die Kleine größer ist. Und das ist gar nicht mehr so lange hin. Dann will sie zu ihren Freunden. Rennt draußen herum. Spielt alleine im Zimmer. Oder macht irgendwas – nur nicht mit den Eltern zusammen. Dann werden wir über jede Sekunde froh sein, die wir zusammen verbringen können. Und mit zunehmendem Alter wird das bisschen Zeit auch immer weniger werden. Bis sie sich von uns gelöst hat.

Und dann werde ich mich zurücksehnen. Zum heute und jetzt, als sie noch meine volle Aufmerksamkeit verlangte. Und mich vermutlich über jede Minute ärgern, die ich nicht mit ihr verbrachte.

So wichtig sind meine Photos nicht. Dafür werd ich noch früh genug wieder Zeit haben.

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PS: Meine Fotos verwende ich hier nur als Beispiel. Es könnte auch die Steuererklärung sein. Zeitschriften oder in Ruhe ein gutes Buch lesen sein.

PPS: Ich möchte um nichts in der Welt tauschen. Ich liebe mein Leben. Meine kleine Familie. Meine Tochter. Und ich wollte noch zu keiner Sekunde wieder zurück in mein Leben ohne Kind.

Dieser Beitrag erscheint als Teil der #MeTime #Blogparade von Mama on the Rocks.

  • MamaOTR

    Danke für diesen wunderschönen Beitrag, der mir wirklich sehr gefallen hat. Da ich momentan so wenig #MeTime habe, schaffe ich es leider erst heute zu kommentieren. Puh!
    Uns geht es wie Euch: Feierabend ist bei uns meistens frühestens um 22 Uhr. Das schlaucht mit der Zeit, und es ist wichtig, sich wo möglich Auszeiten zu nehmen. Deine Frau und Du scheinen das ja gut im Griff zu haben :-). Aus Deinen Zeilen kommt jedenfalls sehr viel Liebe rüber.
    Du schreibst: Später wirst Du Dich nach diesen stressigen Zeiten zurücksehnen. Ich denke, wir sind immer in der Zeit gefangen. Sehnen wir uns nicht immer nach irgendeiner anderen Zeit, sei es zurück oder nach vorne? Das ist wie bei Jungeltern mit 1-Monat-Baby: „Geniesst diese Zeit“, sagen alle. Aber wenn man selber drinsteckt, denkt man nur daran, wie man die nächste schlaflose Nacht überstehen wird. Sein Baby liebt man deswegen aber nicht weniger. Was ich damit sagen will: Wenn man mittendrin steckt, ist es immer schwieriger, es zu geniessen. Aber wenn man sich die Auszeiten, MeTime, eben gönnt, dann kommen auch die Glücksmomente nicht zu kurz.
    LG, Séverine

    • Danke, dass Du dir die Zeit genommen hast, meinen Beitrag zu kommentieren ☺ Ja, ich erinnere mich gut an die Baby-Zeit als einem das jeder gesagt hat und man nicht verstand, warum und wieso. Heute weiß ich, was sie meinten.

      Ich meinte aber gar nicht sehr, dass ich mich in die Zeit zurück sehen werde. Sondern vermutlich mehr ihr Verlangen, mit mir Zeit verbringen zu wollen. Ihr Schwerpunkt wird sich mehr und mehr auf Freunde oder alleine spielen verlagern. Und dann werd ich mir vermutlich denken, ich wäre gern nochmal der Mittelpunkt in ihrem Leben. Man muss dazu verstehen, dass die Kleine ein absolutes Papa-Kind ist. Jetzt hat sich das schon etwas relativiert. Aber es gab Zeiten, da ging ohne mich gar nichts. Nichts durfte die Mama machen. Alles musste der Papa machen. Einerseits ist das nett. Andererseits wünscht man sich mal eine Auszeit davon.

      Aber ja, Auszeiten sind wichtig. So wichtig. Man kann alles nur dann wirklich genießen, wenn man auch mal Abstand gewinnen kann.

      Ich wünsch Dir, dass Du bald wieder die Zeit und die Luft für eine #MeTime hast. Jetzt, da Copperfield sich ja auch mit Papa ganz gut beschäftigen kann, ist doch eine gute Grundlage geschaffen ☺

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