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Mein Schatz,

der 16. Januar 2013 war ein grauer aber trockener Tag. In diesem Winter hatte es zwar schon geschneit. Aber an diesem Mittwoch lag draußen kein noch so kleiner Krümel Schnee.

Als ich morgens ins Büro fuhr wusste ich noch nicht, dass Du dich entscheiden würdest, den Dich schützenden Bauch Deiner Mutter verlassen zu wollen. Drei Wochen vor dem errechneten Termin. Gerade mal dreißig Minuten war ich im Büro als mich Deine Mutter anrief. Sie war sich nicht sicher ob es nur »Übungswehen« waren oder ob Du es nicht mehr aushalten würdest und die Welt erblicken wolltest. Du hattest Dich entschieden. Um 12:20 Uhr erblicktest Du das Licht der Welt.

Um 12:20 Uhr war es grau, aber trocken.

Du wurdest Deiner Mama auf den Bauch gelegt. Dann wurdest Du in ein Handtuch gewickelt und ich durfte Dich – das Glück meiner Welt – in meinen Armen halten. Du wurdest gewogen, untersucht und mir wieder zurück gegeben. Es war mittlerweile sicher 13:30 Uhr. Draußen wurde es grauer und dunkler aber es war trocken.

Wir bezogen unser Familienzimmer im Krankenhaus. Deine Mama ruhte sich aus und Du schliefst. Also ging ich zu unserem Auto um unsere Tasche mit all dem zu holen, was wir für den Aufenthalt im Krankenhaus gepackt hatten. Und ich wollte Deine Omas und Opas anrufen um ihnen stolz zu berichten, dass Du angekommen seist. Das war gegen 14:30 Uhr – und es begann zu schneien. Und es hörte an diesem Tag nicht mehr auf. Ich weiß nicht, wie viele Zentimeter Neuschnee vom Himmel fielen. Aber es war genug um die Welt um uns herum in ein durchgehendes, leuchtendes Weiß zu tauchen.

Als ich so vor dem Krankenhaus stand und versuchte zu realisieren dass ich jetzt ein Papa sei, schloss ich die Augen, reckte meinen Kopf gen Himmel und ließ mir den Schnee ins Gesicht rieseln. Mir war, als wolle der Schnee Dich willkommen heißen.

Es schneite von da an ganze vier Tage lang. Und den ganzen Winter über. Selbst an Ostern hatten wir noch Schnee.

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Der Winter 2014 war nicht gerade reich an Schnee. So gerne hätte ich Dir viel Schnee gezeigt. Mit Dir im Schnee herum getollt. Aber in diesem Winter wollte und wollte es einfach nicht richtig schneien. Stattdessen war es warm und überhaupt nicht winterlich.

Außer in der Woche deines ersten Geburtstages. Schon am Wochenende fing es an. Zuerst wenig Schnee. So dass man glaubte er würde bald wieder weg schmelzen. Aber er schmolz nicht. Es wurde täglich mehr. Am Dienstag fielen mehrere Zentimeter der weißen Pracht. An Deinem ersten Geburtstag war die Welt um uns herum weiß. Überall lag viel Schnee. Und es schneite sogar an Deinem Ehrentag.

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Vergangenen Freitag wunderte ich mich. Es schneite nicht. Nicht vor Deinem Geburtstag. Nicht an Deinem Geburtstag. Ich war ein klein wenig enttäuscht. Denn irgendwie hatte ich es doch erwartet.

Heute nun hattest Du deinen ersten Tag in der KiTa. Ein schöner, aufregender Tag voll neuer Eindrücke und Erfahrungen. Ein Tag auf den wir uns alle seit einiger Zeit freuen.

Als ich heute morgen aufstand und mir meinen ersten Kaffee machte schaute ich aus dem Fenster. Und glaubte, nicht richtig zu sehen. Denn in der Nacht hatte es angefangen zu schneien und die Welt um uns herum war schon ein wenig weiß, als Du aufgestanden bist. Du liefst zum Fenster und hast ganz laut »Schnee, Papa, Schnee« gerufen.

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Und so werde ich mich immer daran erinnern. An Deine Geburt als es anfing zu schneien und es schien als gäbe es kein Halten mehr. An Deinen ersten Geburtstag als plötzlich doch noch richtig Winter wurde und die Welt ganz weiß war. Und an Deinen ersten Kindergarten-Tag. Als wir mit Dir voller Aufregung und Vorfreude zu Deinem ersten Tag in die KiTa gingen. Und Du voll Bewunderung immer und immer wieder »Schnee« gerufen hast.

Denn Du bist ein Schneekind.

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