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Es ist Sommer und die Temperaturen steigen wieder. Sommer, endlich! Die steigenden Temperaturen bergen aber auch Gefahren, gerade für kleine Kinder.

Eigentlich nicht nur bei diesen Temperaturen, sondern immer gilt: lasse Dein Kind niemals, NIEMALS, wirklich NIEMALS, nicht mal für „nur“ eine Minute, alleine im Auto. Es droht Lebensgefahr und kann innerhalb weniger Minuten zum Hitzetod führen!

Egal, ob man nur schnell an der Kasse der Tankstelle bezahlen will, oder nur mal eine Rauchen geht, Brötchen holen will oder jemanden gesehen hat, mit dem man kurz was bequatschen will. Wirklich NIEMALS.

Die liliput-lounge hat in ihrem Artikel „Hitze im Auto – lebensgefährlich für Kinder“ eine Tabelle dazu veröffentlicht in der nochmal deutlich wird, wie schnell ein Auto sich lebensgefährlich aufheizt. Dies ist natürlich als Warnung zu verstehen und nicht als Maßstab.

Tabelle
Hitzentwicklung im geschlossenen PKW nach A. Grndstein, University of Georgia 2010, Infografik: CC BY 3.0 DE zur freien Verwendung mit Quellenangabe: liliput-lounge.de

Was tun, wenn man ein Kind im geschlossenen Auto sieht

Wenn Du in die Situation kommen solltest, dass Du bspw. auf einem Parkplatz ein Kind in einem geschlossenen Auto siehst, werde bitte unbedingt aktiv! Es geht um Leben oder Tod!

Und auch dann, wenn das Fenster einen schmalen Spalt geöffnet ist, droht eine Überhitzung. Ein Spalt reicht nicht aus, um das gefährliche Aufheizen des Innenraumes zu verhindern.

Vergewissere Dich, ob es dem Kind (noch) gut geht. Wenn das Kind nicht mehr reagieren sollte oder Lebensgefahr zu befürchten ist, darfst Du im Rahmen der Nothilfe die Scheibe einschlagen! Bitte ggf. auch Passenten um Hilfe. Und in jedem Fall ist (nach der Nothilfe) die Polizei unter der Notrufnummer 110 zu verständigen.

Sollte das Kind nicht in Lebensgefahr sein, aber Fenster und Türen nicht öffnen können, benachrichtige bitte trotzdem die Polizei unter 110 oder den Feuerwehrnotruf unter 112.

Nebenbei bemerkt: Jeder ist in einer solchen Situation zur Hilfe verpflichtet. Hilfst Du nicht, obwohl Deine Hilfe offensichtlich notwendig war um schlimmeres abzuwenden, machst Du dich strafbar wegen unterlassener Hilfeleistung (§ 323c StGB).

Schau bitte nicht weg oder denk Dir, die Mutter/der Vater kommen schon gleich wieder.  Handle, um das Leben und die Gesundheit des Kindes zu retten.

Bildquelle: Sean Dreilinger, Flickr. Lizensiert unter CC BY-NC-SA 2.0

  • Die Sache ist, dass es nicht vorkommt, dass ein Kind _wissentlich_ im geschlossenen Auto zurückgelassen wird. Eltern sind nur davon überzeugt, dass es anders ist. Niemand, der sein Kind liebt, könnte es einfach vergessen, richtig?
    Falsch. Und es ist eine Tragödie, dass dieser einfache psychologische Fakt ignoriert wird.
    Es gibt fertige, funktionierende Lösungen, serienmäßig einen Alarm in Autos einzubauen, der ausgelöst wird, wenn beim Abschalten des Motors das Gewicht eines Kindes im Kindersitz registriert wird. Aber Autobauer haben festgestellt, dass sich sowas überhaupt nicht verkaufen würde, weil Eltern eben überzeugt sind: „Ich bin ein gutes Elternteil, ich würde mein Kind niemals im Auto vergessen. Ein Auto mit Alarm würde bedeuten, dass ich ein schlechtes Elternteil bin, das das wichtigste in seinem Leben, das eigene Kind, mal eben vergessen könnte. Ich brauche so einen Alarm nicht. Ich bin kein Rabenelter.“

    Aber: In 100% der Fälle kam es zu einem Hitzetod, weil das Elternteil fest davon überzeugt war, dass das Kind im Kindergarten, beim Babysitter, bei den Großeltern, beim anderen Elternteil… war.
    Wie kann sowas sein? Psychologie. Wird die gewöhnlich Routine gestört – weil z.B. der Babysitter krank ist oder das Kind ausnahmsweise auf der Rückbank statt im Beifahrersitz angeschnallt ist – und kommt nur eine kleine Ablenkung dazu, wird das Kind selbst von den liebevollsten, aufmerksamsten, verantwortungsbewusstesten Elternteilen schlichtweg vergessen. Menschliche Aufmerksamkeit funktioniert nicht perfekt. Das Phänomen ist gut erforscht.

    Deshalb hilft es zwar, Dritten zu sagen, was sie tun sollten, wenn sie ein Kind allein in einem Auto sehen. Aber Eltern zu sagen, dass sie ihr Kind nicht im Auto sitzen lassen sollen, bringt nichts. Eltern wissen das längst. Und kein Elternteil würde sein Kind derart in Lebensgefahr bringen. Nicht mit Absicht.
    Aber aus Versehen.

    Deshalb ist es viel wichtiger, dass sich schon werdende Eltern angewöhnen, JEDES MAL VOR DEM AUSSTEIGEN EINEN BLICK DURCH DAS AUTO ZU WERFEN, OB SIE IHR KIND AUCH WIRKLICH NICHT DABEI HABEN. Genau so wie sie jedes mal gucken, ob sie ihren Schlüsselbund auch wirklich eingepackt haben, ehe sie die Tür hinter sich schließen.
    Kleb im Zweifelsfalle einen Zettel innen an die Windschutzscheibe oder richte es so ein, dass du den Autoschlüssel einfach vom Schlüsselbund klipsen und die restlichen Schlüssel in einem Beutel verpackt deinem Kind in die Hand gibst/in den Kindersitz legst, was dich zwingt, dich dem Kindersitz zuzuwenden, ehe du das Auto verlässt.

    Jedes einzelne Mal, bevor du dein Auto verlässt, selbst wenn du mit absoluter Sicherheit weißt, dass du dein Kind bei deiner Partner_in zurückgelassen hast: Sieh dich im Auto um, ob das Kind wirklich nicht da ist. Mach es zu einem Automatismus. So, und nur so, kannst du tatsächlich sicherstellen, dass du dein Kind niemals im Auto zurücklässt.

    • Woher weißt Du, dass das nicht vorkommt? Es gibt leider die Fälle, in denen Kinder tatsächlich wissentlich und willentlich in Autos zurückgelassen werden. Bspw. der Fall des Paares, dass das Kind im Auto ließ, als sie im Fitnessstudio trainieren waren.

      Aus einem anderen Artikel geht es nicht hervor, ob der Vater das Kind wissentlich im Auto zurückließ während er einkaufte, oder nicht.

      Ich kann nicht sagen, ob diese Eltern ihre Kinder lieben oder nicht. Das steht mir nicht zu. Ich würde das nicht machen, aber was heißt das schon. Vielleicht unterschätzten sie die Tat einfach nur?

      Aber um derart krasse Fälle geht es mir eigentlich gar nicht. Ich möchte auch nicht mit dem Finger zeigen und sagen, die da lieben ihr Kind nicht.

      Es geht mir vor Allem darum, dass man die Gefahr und die Geschwindigkeit, mit der sich ein Auto in der Sommersonne aufheizt, schlicht unterschätzt. Mal schnell ein Brötchen holen. Geht doch schnell. Bin in 2 Minuten wieder da. Und dann die Ablenkung. Oder an der Kasse dauerte bisschen länger als gedacht.

      Und vor allem geht es mir darum, dass wenn jemand ein Kind alleine im Auto sieht, nicht weg geht, sich nicht einfach umdreht und sagt „wird schon“. Sondern hilft.

      Aber Dein Hinweis, dass auch vergessen kann, das Kind dabei zu haben und es nicht wissentlich im Auto bleibt, ist ein sehr guter Punkt. Ja, Du hast recht, man sollte sich tatsächlich nochmal im Auto umschauen, BEVOR man aussteigt. Einfach um sicher zu gehen.

      • Ich möchte mich vor allem gegen trügerische Sicherheit aussprechen. Und gegen reflexhaftes Fingerzeigen (was ich dir definitiv nicht vorwerfe, was aber von zu vielen anderen praktiziert wird).
        Solange diese falsche Überzeugung existiert, dass ‚gute‘ Eltern ihr Kind niemals vergessen würden, werden ‚gute‘ Eltern ihr Kind vergessen.
        Und ‚gute‘ Eltern, die ihr Kind auf diese abgrundtief tragische Weise verlieren, werden nachher nicht nur mit ihrem Verlust klarkommen müssen, sondern auch mit (ungerechtfertigten) Vorwürfen, Zorn, Beschimpfungen etc. Dieses Leid hat niemand verdient.

        Wir brauchen allgemein eine Kultur, in der es nicht als Schande, sondern als Zeichen guter Elternschaft gesehen wird, wenn man sich selbst zutraut, grauenvolle Fehler zu machen, und aktiv ein System entwickelt, um diese grauenvollen Fehler zu vermeiden.

  • Uhm, kleine Korrektur: In 100% der Fälle (über die ich gelesen habe, was so um die 50 bis 60 waren).

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