skip to Main Content

Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag für das Blog „Tafjora: Und noch ein Mama-Blog, eine deutsche Familie in Frankreich“ und erschien original hier.

Tafjora schreibt einen tollen Mama-Blog aus Süd-Frankreich.  Dort lebt sie seit 2012 mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern.  Die Geschichten, die sie von dort zu berichten hat, sind toll geschrieben und sehr lesenswert.

Danke nochmal, dass Du mir die Gelegenheit gegeben hast, auf Deinem Blog als „Urlaubsvertretung“ zu veröffentlichen. 🙂


Unser kleiner Frosch (18 Monate) soll zweisprachig aufwachsen. Hauptsprache: deutsch (ich). Zweitsprache: russisch (die Mama). Der Gedanke ist: nie wieder wird sie vermutlich so leicht eine zweite Sprache lernen können wie jetzt.

Dass Mama-Frosch den Russischpart übernimmt ist besser so. Ich sprech nämlich kein Russisch. Also bis auf ein paar wenige Worte (спасибо / danke, Тарелка / Teller, Говорить по-немецки / deutsch sprechen, хлеб / Brot, …). Damit könnte ich in Russland wenigstens erklären, dass ich deutsch spreche und mich für das Brot bedanken.

Unterstützung erhalten wir von meinen Schwiegereltern – die wohnen in unserem Haus im Stockwerk über uns. Ein Mehrgenerationen-Haus also. Während die Frau ½-Tags arbeitet, kümmern sich die Schwiegereltern um die Betreuung der Kleinen bis diese in den Kindergarten kommt.

Prinzip von Ronjat

Wenn man sich über Zweisprachigkeit informiert (Tante Google), liest man vom Prinzip „Eine Person, eine Sprache“/Prinzip von Ronjat. Demnach solle derjenige, der die Zweitsprache spricht, diese immer beim Sprechen mit dem Kinde verwenden.

Würden wir das so durchziehen, hieße das, die Mutter spräche auch dann russisch mit der Kleinen, wenn ich dabei bin. Das schlösse mich aber aus jedem Gespräch der beiden aus. Und es erschwerte die Gespräche am Abendbrottisch.

Das Prinzip von Ronjat passt also für uns nicht in dieser Konsequenz.

Sprach-Kuddelmuddel

Wir machen es so: wenn ich nicht dabei bin, sprechen meine Frau und die Großeltern konsequent russisch mit dem Frosch. Bin ich dabei, ist deutsch die Amtssprache. Wenn Frosch-Mama mit der Tochter spielt und ich dabei bin, spricht sie – nach Lust und Laune – auch mal russisch mit ihr und übersetzt danach für mich.

Ob das klappt? Keine Ahnung! Wir versuchen es. Wichtig ist uns, es gibt kein „müssen“, keinen Zwang, keinen Druck. Alles kann, nichts muss. Wenn es nicht klappt, ist das kein Beinbruch!

Und, ich werde ihr nicht sagen: „mit dem Papa musst Du aber deutsch sprechen“. Sie soll quatschen wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Wenn sie ein neues russisches Wort spricht, dann muss ich es halt lernen.

Alles andere würde vermutlich die Kleine nur verwirren. Die Trennung der Sprachen – so es denn mit der Zweisprachigkeit klappt – kommt sicher mit zunehmendem Alter von allein.

Das unterscheidet sich ja auch nur marginal von all den anderen Worten, die sie lernt. Die müssen wir auch erstmal entziffern und verstehen lernen. „ei’ma'“ → noch einmal, „da da“ → das da, „dada“ → Kaka, „mich“ → Milch, „ichn“ → ich.

Wenn die Kleine plötzlich russisch spricht

„Aball“ rief sie eines Tages immer wieder. Sie zeigte dabei auf auf alles mögliche. Und wir verstanden nicht, was sie uns sagen wollte. „A Ball“? Da ist doch gar kein Ball? Es ergab keinen Sinn. Bis sie eines Abends in einem Bilderbuch auf einen Jungen zeigte, der auf dem Boden liegt und spielt und mich anschaute und sagte „aball“. Da fiel es der Frosch-Mama wie Schuppen aus den Haaren – das Wort war „упал“ (gesprochen etwa upall, gefallen im Sinne von heruntergefallen, umgefallen).

Sie verwendet das Wort seither konsequent für alles was irgendwie herunter- oder umgefallen ist. Das Kuscheltier liegt auf dem Boden? упал. Essen fällt vom Tisch? упал. Sie wirft einen Ball? упал. Neulich fiel sie beim Laufen hin und tat sich ein bisschen weh. Sie klagte auf meinem Arm unter Tränen ihr Leid: упал.

Mittlerweile spricht sie mehrere russische Worte, die sie zusammen mit ihrem deutschen Wortschatz mixt. дай / gib, пить / trinken.

Papa lernt mit

Nun kenne ich diese Worte und weiß um ihre Bedeutung. Ich habe ein paar Worte russisch gelernt. Meine Hoffnung ist, dass ich mit den weiteren Worten auch meinen Wortschatz vergrößere. Zumindest so lange es einzelne Worte bis Zwei- oder Dreiwortsätze sind, die sie lernt.

Ich muss nämlich vorbeugen. Andernfalls könnten der Frosch und ihre Mutter eines Tages beim Abendbrottisch gepflegt über den Papa lästern. ☺

Back To Top
%d Bloggern gefällt das: